1. Tag der Passionszeit, 5. März 2025
Heute ist es soweit: wir starten in die Zeit bis Ostern. Aschermittwoch heißt dieser erste Tag. Ich weiß noch in meiner Schulzeit, wie an diesem Vormittag unsere wenigen katholischen Mitschülerinnen und Mitschüler erst zur dritten Stunde zum Unterricht kamen – die ersten beiden Stunden waren sie für den Aschermittwochsgottesdienst befreit. Ein Aschenkreuz bekommt man in diesem Gottesdienst auf die Stirn gezeichnet, und die Asche stammt von den Palmwedeln von Palmsonntag aus dem vorausgegangenen Jahr, die später verbrannt wurden. Einerseits erinnert dieses Aschekreuz an die Bußzeit, die mit Aschermittwoch beginnt: man geht „in Sack und Asche“, wie das in der Bibel so schön heißt. Zugleich erinnert die Asche an unsere Sterblichkeit – so wie man am Grab mit dem Erdwurf und den Worten: Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub genau das zum Ausdruck bringt. Und schließlich ist das Aschekreuz zugleich ein Reinigungsritual: es reinigt von unserer Schuld. Gerade nach einer ausschweifigen Karnevalssaison – ja, das ist hier im Norden natürlich nicht ganz so ausgeprägt 🙂 – kann das ein ganz besonders wichtiges Thema sein. Wir denken in diesen Tagen bis Ostern ja besonders an Jesu Gang ans Kreuz – und diesen Gang geht Jesus bewusst, um sich (an unserer Statt!) verurteilen zu lassen und unsere Schuld zu tragen. Im Alten oder besser Ersten Testament in der Bibel wird schon zu Zeiten des Tempels in Jerusalem von einem ähnlichen Ascheritual mit Reinigungskraft erzählt: Hier wird eine rote Kuh, die noch kein Kalb geboren hat, im Tempel als Opfer dargebracht und verbrannt, ihre Asche wird mit Wasser vermischt, und wer dann mit diesem Wasser besprengt wird, wird, wenn er sich durch die Berührung eines Toten verunreinigt hat (in damaligen Zeiten war die Vorstellung von Reinheit und Unreinheit sehr zentral), wieder rein und kann dann wieder an Gottesdiensten teilnehmen.
Aschermittwoch. Es ist gut an diesem Tag etwas innezuhalten. An das zu denken, was Jesus für uns auf sich genommen hat: seinen Leidensweg, der schließlich im Freudenfest von Ostern mündet. Es ist gut, dass wir über unser Leben nachdenken, über Schuld, die uns drückt, über Dinge, die nicht gut waren – und all das Jesus vorzulegen. Es ist gut auch an die Vergänglichkeit des Lebens zu denken und jeden Tag als kostbares Geschenk zu begreifen: heute gilt es Gottes Liebe Raum zu geben. Ob mit Aschekreuz auf der Stirn oder einfach in Gedanken und im Gebet. Bleibt behütet!
Foto: Die Klagemauer, die noch vom Alten Tempel in Jerusalem steht.