21. Tag der Passionszeit, 25. März 2025

Als Junge hatte ich schon etwas Respekt vor unserem dunklen Keller im Haus. Wenn ich da etwas holen sollte, summte oder sang ich vor mich hin. Das lenkte mich ab und half mir in der Angst. Später habe ich das Singen gerne praktiziert, wenn ich vor einer Prüfung Angst hatte oder vor dem Ergebnis einer Prüfung. Statt irgendwo zu sitzen und zu warten, ging ich lieber los, einen Spaziergang für mich ganz alleine und dabei irgendetwas singen, was mir gerade in den Sinn kam.
Die Bibel berichtet das öfter, dass Singen gegen die Angst hilft. Paulus und Silas im Gefängnis in Philippi fangen an zu singen. Und Jona singt im Bauch des Walfisches, der ihn verschluckt hat. Wie muss es darinnen geklungen haben – ich habe keine Vorstellung, wie die Akustik in einem Walfischbauch sein muss und welche anderen Geräusche da noch auf einen einströmen. Aber Jona sang dagegen an, sang gegen seine Angst, sang ein Lied voll Vertrauen: „Ich sank hinunter zu der Berge Gründen, der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich. Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, Herr, mein Gott. Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den Herrn.“ (Jona 2,7–8). War der Gesang für den Wal so unangenehm, oder hat Gott einfach ein Wunder geschenkt? Auf jeden Fall spuckte der Wal Jona aus – und zwar so in Küstennähe, dass Jona wohlbehalten „strandete“. – Ich liebe diese Geschichte, weil sie so voller Symbolik steckt: Wenn die Angst nach uns greift und uns verschluckt und wir doch nicht einfach verstummen, sondern unsere Gefühle herauslassen, schreien oder singen, zu Liedern finden voll Kraft und Mut – dann gibt es wieder Licht, dann lässt uns die Angst auch wieder frei, dann können wir wieder Luft holen! – Wie war die schönste Werbung für einen Kirchenchor? Als eine Frau mir erzählte, wie sie die Kirchenchorproben über Wasser gehalten hätten in ihrer schwersten Zeit, nach dem Tod ihres Mannes, als es so still in ihr geworden sei und in ihrem Haus. Andere meinten zu ihr, sie müsse erst ein Trauerjahr einhalten, bevor sie wieder zu den Chorproben ginge – aber sie sagte: Wozu ist der Kirchenchor da, wenn nicht, um Menschen gerade in ihren dunkelsten Stunden neuen Mut zu geben?! Recht hat sie!
Wie lautet das Motto der diesjährigen Fastenaktion: Sieben Wochen ohne Panik – na dann: Sing dich frei!
Foto: Stiftung Creative Kirche – noch einmal ein Foto vom Musical Martin Luther King in Flensburg