22. Tag der Passionszeit, 26. März 2025

Vor drei Wochen begann mit Aschermittwoch die Passionszeit, in dreieinhalb Wochen ist Ostern – und in neun Monaten ist der Zweite Weihnachtsfeiertag. Ja, irgendwie gehört alles zusammen. An Weihnachten feierten wir, dass Gott Mensch wurde. Und in der Karwoche werden wir daran erinnert, dass Gott wirklich ganz und gar Mensch wurde. Dazu gehört die Sterblichkeit, und dazu kann gehören, absolut wehrlos anderen ausgeliefert zu sein, die Macht über uns ausüben. Als Jesus, von den römischen Soldaten geschlagen und erniedrigt, vor dem römischen Statthalter Pontius Pilatus steht, sagt dieser die berühmten Worte: Ecce homo – sieh da, welch ein Mensch! Was wir an Weihnachten noch umglänzt mit Engelsgesang und leuchtendem Weihnachtsstern feiern, ist hier nun ernüchternde Realität geworden: Gott ganz unten auf der Erde, wehrlos, ausgeliefert, zum Spott und Hohn gemacht, auf dem Weg ans Kreuz und in den Tod. Und doch wird es unter dem Kreuz ausgerechnet auch wieder ein römischer Hauptmann sein, dem ein Licht aufgeht: als Jesus stirbt, sagt er die Worte: Dieser ist Gottes Sohn gewesen. Ist das ein Ausruf voller Kopfschütteln: wer so stirbt, kann doch niemals Gottes Sohn sein? Oder ist es, was ich eher heraushöre, ein Ausruf tiefster Ehrfurcht, als würde der Hauptmann das große Glaubensgeheimnis gerade ergründen: der leidende, sterbende Jesus ist zugleich Gott selber in Person, der sich so in die Welt hineingibt, erniedrigt, in den Tod gibt, um gerade so unser Erlöser und Retter sein zu können. Gott teilt alles mit uns, auch Leid, Erniedrigung, Sterben – das macht die Hoffnung von Ostern so groß, denn es ist die Hoffnung für uns alle: auch wir dürfen einmal auferstehen, aus dem Ende zu einem neuen Anfang, aus der größten Erniedrigung heimkehren als geliebte Kinder Gottes! – 
Noch dreieinhalb Wochen bis Ostern und neun Monate bis Weihnachten – gestern war der Tag Mariäe Verkündigung. Neun Monate vor Weihnachten werden wir an die Ankündigung der Geburt Jesu an Maria erinnert. Weihnachten, Karfreitag und Ostern: alles gehört irgendwie ganz eng zusammen um das eine Geheimnis zu erfassen: Gott wird Mensch. Und der Mensch auf Erden, der Mensch am Kreuz: ist immer noch der Gottessohn. Bleibt behütet! 
Foto: Nazareth, das Wohnhaus von Maria, in dem ihr der Engel erschienen sein soll, um die Geburt Jesu zu verkündigen