35. Tag der Passionszeit, 8. April 2025
Also eines vorneweg: wir haben, das finde ich schon, gravierendere Probleme als nur die unserer Sprache. Mich ärgert es, wenn in Weltliteratur eingegriffen und Worte herausgestrichen werden, die heute aus gutem Grund nicht mehr verwendet werden sollten. Oder wenn literarische Werke, Kunst, Musik auf den Index gesetzt werden, weil die jeweiligen Verfasser sich aus heutiger Sicht der Dinge in ihrer Zeit politisch und menschlich nicht korrekt verhalten oder ausgedrückt haben. Aber ich finde es dennoch wichtig, dass wir heute sensibler mit Worten umgehen. Denn Worte bilden Wirklichkeit ab.
Darum hätte es für mich kein „Zigeunerschnitzel“ und auch keinen „Negerkuss“ gebraucht, um einen meiner Lieblingssketche, die ich als kleiner Junge hatte – dieses Palimpalim und Didi Hallervorden im Knast –, zum 75. Jubiläum der ARD im Fernsehen neu zu präsentieren. Zumal ich den ursprünglichen Text fast Wort für Wort hätte mitsprechen können! … Die in der Neufassung mit dem Sketch verbundene Unterstellung, es könnte bald so weit kommen, dass unser Faible für „political correctness“ oder „cancel culture“ Menschen einmal ins Gefängnis bringen könnte, die solche Worte immer noch verwenden, sollte man einem Satiriker aber durchaus zugestehen dürfen. Das Maß der Aufregung darüber – und vor allem die Anfeindungen und Vorwürfe von Rassismus, die nun einem gestandenen Schauspieler und Entertainer entgegengebracht werden, finde ich ehrlich gesagt sehr übertrieben. Nun haben wir in Deutschland gerade sehr viele andere Probleme – aber eben durchaus auch ein Rassismusproblem, dazu muss man sich nur Reden und Verlautbarungen der AfD anschauen. Wer abfällig über jemanden redet, der handelt oft genug auch abfällig gegen diese Person oder Personengruppe und bereitet Rassismus den Weg. Wenn der Rat der Sinti und Roma die Bezeichnung „Zigeuner“, die eine sehr wechselvolle und unterschiedliche konnotierte Bedeutungsgeschichte hat, als diskriminierend bezeichnet, sollte uns das reichen dieses Wort nicht mehr einfach weiterzuverwenden. Und mit dem Wort N-Wort ist das nicht anders. Zumal diese Begriffe in den einschlägig rechtsextremen Internetforen weiter zutiefst diskriminierend benutzt werden.
Heute ist der internationale Tag der Roma/Romnija und Sinti/Sintizze. An diesem Tag 1971 fand der Erste Weltkongress der Roma/Romnija statt. Seit diesem Tag gibt es eine offizielle Flagge der Roma-Gemeinschaft und eine Hymne. Als Gedenktag für den Völkermord an Roma und Sinti ist zusätzlich der 2. August ins geschichtliche Bewusstsein gehoben worden. Ab 1939 erhielten die Sinti und Roma in Hitler-Deutschland anstelle ihrer deutschen Ausweispapiere sogenannte „Rasseausweise“, die mit „Z“ gekennzeichnet waren. „Z“ für „Zigeuner“. Geschätzte 500.000 Angehörige der Sinti und Roma wurden im Holocaust ermordet.
Das genügt, finde ich, um in Zukunft lieber ein „Paprikaschnitzel“ zu bestellen und mich nicht über die Bezeichnung „Schokokuss“ aufregen zu müssen. Sprache kann so einfach etwas ändern. Vielleicht hält die Gesinnung damit Schritt. Bleibt behütet!
Foto: Mahnmal für die im Holocaust ermordeten Sinti-und-Roma -Berlin, nahe des Brandenburger Tores