Adventsimpuls am 6.. Dezember 2025
Der heilige Nikolaus mit der Rute, die er neben dem Sack mit Köstlichkeiten bei sich hat– das kann doch nicht sein! Dass dieser als Freund der Kinder bekannte Bischof auch dazu da ist, die Kinder zu erziehen, zum Salatessen und Artigsein, Hausaufgabenmachen und Müll-nach-draußen-Bringen: das ist doch wirklich viel zu padägogisch-moralisierend gedacht. Dass er fragt, ob die Kinder artig waren – was heißt: artig sein? Darf man den Eltern keinen Widerspruch geben? – oder dass er die Kinder über gesunde Ernährung aufklärt und vor zu viel Süßigkeiten warnt (wo er doch selber dann den Sack aufmacht und Süßigkeiten austeilt) – irgendwie ergibt das alles keinen Sinn! Zumal Nikolaus auch nicht immer „artig“ war: auf einem Konzil der Bischöfe der damaligen Kirchen soll er einen, der über Jesus anders dachte als Nikolaus selber, eine schallende Ohrfeige gegeben haben. Am Ende allerdings einte er die Versammlung, indem er an das schöne Pauluswort erinnerte: „Lasst die Sonne niemals über eurem Zorn untergehen.“ – Und als seine Stadt Myra eine Hungersnot heimsuchte, hat er sich sogar mit dem Kaiser angelegt, dessen Schiff mit viel Getreide an Bord gerade in Myra angelegt hatte, und es mit viel Diplomatie, aber auch Aufmüpfigkeit geschafft, dass etliche Säcke Getreide von dem Schiff abgeladen wurden für die hungernden Menschen in Myra.
In Süddeutschland und Österreich etwa ist die Sachlage anders gelöst – da ist Nikolaus nicht neben den Geschenken auch für die Rute zuständig. Das übernimmt ein anderer Kamerad – der Krampus. Als ich im Herbst in Wien bei unserer großen Tochter war, da sah ich in den Geschäften schon diese hübschen Schokofiguren einträchtig nebeneinander: Nikolaus und Krampus. In Österreich ist die Rollenverteilung klar – good guy und bad guy, lieber Kerl und böser Bube, sind da zwei verschiedene Figuren. Der Nikolaus ist zum Loben und Beschenken der Kinder da, sie zu erschrecken, mit der Rute zu drohen und die Kinder zu schelten wegen Unartigkeiten, das übernimmt der Krampus. Der wiederum stammt schon aus vorchristlicher Zeit und ist einer der rauhen Gesellen, die in diesen unwirtlichen dunklen kalten Monaten ihr Unwesen treiben. Nikolaus hat ihn sozusagen gezähmt, dass er nun an seiner Seite mitmarschiert, aber nicht mehr ganz so viel Schrecken verbreitet. Und in anderen Gegenden gibt es ähnliche Gesellen mit anderen Namen, Percht etwa oder Knecht Ruprecht.
Na ja, vielleicht schadet es gar nicht so: einen Krampus als Begleiter zu haben, der etwas Respekt einflößt und die Vorlauten etwas kleinlauter macht. So einen Krampus im Konfirmandenunterricht bei mir zu haben, das könnte manchmal ganz nützlich sein....Ach was. Ich finde die Nikolausrolle wunderschön. Einige Jahre habe ich sie selber in einem Kindergarten jedes Jahr spielen dürfen, und jetzt freue ich mich, sie andere spielen zu sehen und die strahlenden Kinderaugen, wenn der Nikolaus ihnen seine köstlichen Gaben darreicht. Und vielleicht, wenn alle schon schlafen, in der kommenden Nacht, schleich ich mich auch noch mal aus dem Haus und gehe in der Nachbarschaft umher und stelle hier und da etwas vor die Tür und freue mich, wenn mich keiner dabei sieht...Nikolaus hat ja auch ganz heimlich geschenkt.
Und ihr – vergesst nicht die Schuhe zu putzen und die Stiefel herauszustellen und euch schlafen zu stellen, wenn ihr doch etwas hört. Und seid froh, wenn es dann der Nikolaus – und nicht etwa der Krampus ist! Bleibt behütet!