Adventsimpuls am 16. Dezember 2025

Es war in den zwanziger Jahren des 14. Jahrhunderts. Heinrich Seuse war junger Mönch im Dominikanerkloster in Köln, der viel grübelte und nachdachte über all das Leid in der Welt. Da begegnete ihm im Kloster ein himmlischer Spielmann, so wird erzählt – dieser forderte ihn zu einem ausgelassenen Tanz auf und stimmte einen fröhlichen Gesang mit süßem Jubel über das kleine Jesuskind in der Krippe an: In dulci jubilo. Und Suso, wie der Mönch Heinrich im Kloster genannt wurde, tat es so gut, als er den Namen Jesus vernahm und diesen Namen eingebettet fand in eine so fröhliche Melodie. Es muss ihm gewesen sein, als befände er sich selber in einem Zeitsprung mitten auf den Hirtenfeldern und würde eintauchen in den Gesang der Engel, mit dem diese den Hirten die Geburt des Heilandes verkündet haben. – Heinrich Seuse tanzte sich alle schweren Gedanken und allen Kummer von der Seele – und der Spielmann tanzte mit, hüpfte, sprang, schwebte irgendwo zwischen Himmel und Erde. – Und immer wieder erlebte Heinrich Seuse das in einer kummervollen Stunde – dass der Spielmann ihn wieder und wieder besuchte und zu singen und tanzen anfing – und Suso vergaß all seinen Kummer.
So viel einmal angedeutet über die Liedgeschichte eines der Lieder, die heute Abend in der Emmelsbüller Kirche durch den Gemischten Chor Galmsbüll, unter Leitung von Birgit Deussing und begleitet von wunderbaren Instrumentalisten, zur Aufführung kommt. Wir haben gekämpft in allen Stimmen mit diesem Lied und ahnten in den kühnen Tonfolgen der Melodie etwas von dem Wagnis und der Luftigkeit jener tollkühnen Sprünge, die der himmlische Spielmann im Kloster mit Suso vollbracht haben soll. Das ist gar nicht so leicht diesen Sprüngen musikalisch zu folgen! – Es ist ein großartiges Lied voller Freude, das Jesus rühmt als kleines Kindlein und zugleich als Alpha und Omega, A und O, Anfang und Ende. Er, der Fürst der Herrlichkeit, nach dem wir uns sehnen, den wir so dringend brauchen auf dieser Erde, gerade jetzt, wo so viel zu hören und zu sehen ist, täglich in den Nachrichten, von Krieg und Anschlägen und Armut und Trostlosigkeit. Auch wir brauchen so einen Spielmann, der uns herausreißt aus den allzu traurigen Gedanken, der uns erinnert, dass Jesus an Weihnachten zu uns tritt, dass er einst Mensch wurde und kam um bei uns zu bleiben. Das ist der Grund aller Weihnachtsfreude gerade in diesen dunklen Zeiten. Ja, Passion und Leiden Jesu , das alles ist in diesem Lied mal ausgeklammert, stattdessen beschreibt es einfach voller Hingabe die Freude, die mit Jesus anbricht, und der Himmel, der mitten in unserem Leben aufbricht, wo wir Jesus spüren, seine Nähe ahnen. In solchen Momenten ist der Himmel schon ganz weit offen, und auf die Frage: Ubi sunt gaudia – wo sind die Freuden – gibt es dann nur die eine Antwort: da, wo die Engel singen, wo Jesus Herzen ergreift, wo wir nicht anders können als zu tanzen und zu springen und wo die Sehnsucht groß wird: Ach, wären wir doch schon da, wo es immer so sein wird: Im Himmel, wo Musik und Tanz und Fröhlichkeit und Frieden, das alles jeden Augenblick durchdringt!
Hört es euch doch gerne an, dieses In dulci jubilo, heute Abend um 19.00 Uhr in der Emmelsbüller Kirche. Und es gibt noch andere schöne Lieder, weihnachtliche Weisen wie Tochter Zion, das Kalenderlied oder auch eine besondere Vertonung des bekannten Liedes: Stille Nacht!
Wir freuen uns auf euch. Und wenn euch danach zumute ist, dürft ihr auch in der Kirchenbank etwas mitwippen und – warum nicht: auch mittanzen: wenn euch danach zumute ist, weil euch die Freude und das Staunen über diesen Mensch werdenden Gott, der dich und mich so liebhat, erfüllt! – Bleibt behütet!