Adventsimpuls am 17. Dezember 2025

Alle reden von Weihnachten, und die Frage: „Wie feierst du Weihnachten? Was gibt es zu essen, wer kommt zu Besuch?“ dominiert alle Gespräche. Sie steht da abseits. Weihnachten feiern, das ist für sie undenkbar geworden. Weihnachten – das ist doch eigentlich nur etwas für die Glücklichen. Für die, die eine heile Familie haben, in Frieden leben, keine großen Sorgen haben. Die können für das Festessen einkaufen, Geschenke besorgen, Familie einladen, fröhlich sein. Aber sie? Wie soll sie für Weihnachten einen Gedanken übrig haben, wo ihr Mann erst vor kurzem gestorben ist? Eigentlich gehört es sich, dass alle Welt Weihnachten absagt – dieses Jahr. Der Krieg in der Ukraine. Die Menschen, die auf der Straße leben. Die Menschen, die wissen nie wieder ganz gesund werden zu können. Die Menschen in zerrütteten Familienverhältnissen. Und die mit gebrochenem Herzen wie sie, die um einen lieben Menschen trauern: wie zynisch kommt all diesen Menschen die Glühweinglückseligkeit und das Gedudel der immergleichen Weihnachtslieder vor und diese Weihnachtsbeschwörung von heiler Welt, die es doch gar nicht gibt. – Und doch sind gerade diese sich momentan so verloren fühlenden Menschen dichter an dem ursprünglichen Weihnachten dran als alle anderen. Das erste Weihnachten war kein Familienidyll: Maria ungewollt schwanger, es ist nicht von ihrem Verlobten, und verheiratet ist sie ja auch noch nicht. Ein richtiges Zuhause ist so eine Futterkrippe mit Stall im übrigen auch nicht, aber manchmal das einzige was bleibt, das wissen alle, die auf der Straße leben. Die Familie ist weit fort, die Nachbarschaft bekommt nichts mit von der Geburt, nur ein paar herumstreunende Hirten und einige esoterisch angehauchte Sterndeuter gratulieren.  Galiläa und Judäa von den Römern besetzt, und wenige Tage nach Jesu Geburt ordnet der König einen brutalen Kindermord an. Nein, ein Idyll zeichnet die Bibel an Weihnachten wahrlich nicht.  Aber gerade an solchen Tagen ist die Botschaft nötiger denn je: Fürchtet euch nicht, der Heiland ist da! Für euch liegt er da in der Krippe, weil Gott euch nicht links liegen lässt in eurer Einsamkeit und Trauer, in eurem Leiden an der Situation und dem Unrecht der Welt, an eurem harten Lebensschicksal. –Man muss nicht Weihnachten feiern, aber an der eigenen Lebenssituation ändert sich auch nichts, wenn wir versuchen das Fest zu ignorieren oder vor ihm zu fliehen. Aber gerade dann, wenn uns so gar nicht nach Weihnachten zumute ist, kann Gott ganz nahe sein und will uns Hoffnung schenken, Mut machen mit diesem Kind in der Krippe. Nicht alles ist gut – aber alles soll einmal gut werden. Und Gott ist dir auf der Spur, und alle seine Liebe gilt dir! – Sie, die wenige Tage noch vor Weihnachten das Gefühl hatte, dieses Jahr müsse es für sie ausfallen nach dem Tod ihres Mannes – sie hat dann doch Weihnachten gefeiert. Nur eben ganz anders als sonst. Nachmittags machte sie Besuche im Krankenhaus bei Menschen, denen zum Heulen zumute war wie ihr – und sie weinte selber mit, und es tat gut weinen zu können an Weihnachten. Abends hatte sie zwei, drei einsame Menschen in ihrer Straße eingeladen. Menschen, die auch ein hartes Schicksal hatten. Und nach anfänglicher Befangenheit löste sich das im Lauf des Abends, bei gutem Essen und einem Glas Wein, und jeder erzählte von seinem Leben und von manch schönem Weihnachtsfest,  und es tat so gut! Und um Mitternacht fuhr sie an den Deich. Niemand war da. Nur sie und der Wind und das Wasser und viele Gedanken im Herzen und viel Sehnsucht, und sie redete alles, was sie loswerden musste – und fühlte sich auf einmal ihrem Mann und auch diesem Jesus so nahe. Und es tat in all dem Schmerz ganz schön gut! – Bleibt behütet!