Adventsimpuls am 19. Dezember 2025
Was wäre Weihnachten ohne Geschichten? Alte und neue, zu Herzen gehende und lustige. So viele Geschichten ranken sich um diese besonderen Tage, die sich unseren Herzen so besonders eingeprägt haben. Eine ganz besondere Geschichte ist mir in diesem Jahr wieder begegnet- sie ist so unzählige Male erzählt und in Weihnachtsbüchern mit Vorlesegeschichten abgedruckt, aber als Bilderbuch mit wunderschönen Illustrationen mir neu in die Hände gefallen: Die Geschichte von Selma Lagerlöf, Die Heilige Nacht. Sie erzählt von einem Mädchen, das als einzige mit ihrer Großmutter zu Hause bleibt, währen der Rest der Familie am Heiligen Abend in die Christmette geht. Das Mädchen erscheint den anderen noch zu jung, die Großmutter zu alt für den Gottesdienst und den Fußmarsch, den das bis zur Kirche erfordert. Aber wie sie so daheim sitzen, fängt Großmutter zu erzählen an: von einem Mann, der vor langer Zeit lebte, und dessen Frau in jener Nacht ein Kind bekam. Sie waren auf der Reise und fanden in dem Ort, wo sie ankamen, keine Herberge mehr, keinen anderen Platz als eine Grotte. Es war kalt, und er hatte nichts da um für die Mutter und das neugeborene Kind ein Feuer zu machen. Er begab sich auf die Suche. Er klopfte an vielen Türen, aber in den umliegenden Häusern schliefen die Menschen schon, keiner hörte ihn. Er ging weiter, aus dem Dorf heraus Richtung Feld, und sah in der Ferne ein Feuer unter freiem Himmel. Er kam näher und entdeckte eine Herde Schafe um das Feuer und einen alten Schäfer. Doch als er sich dem Feuer nähern wollte, sprangen dessen drei Hunde auf und auf ihn zu: der eine wollte ihn anknurren, aber brachte keinen Ton heraus, die anderen beiden wollten ihn beißen, aber ihre Zähne fügten ihm keinen Kratzer bei. Die Schafe lagen dicht am Feuer und schienen zu schlafen, und der Mann lief über die Rücken der Schafe auf das Feuer zu – und die Schafe wurden gar nicht wach. Nun sah ihn der alte Hirte, der ein unleidlicher Geselle war, und der nahm seinen Hirtenstab und wollte ihn gegen den Fremden schleudern – doch vor dem Mann wich der Stab aus, schlug einen Haken und segelte nach draußen ins Feld. Jetzt stand der Mann dicht am Feuer. Und der Hirte, erstaunt über diese seltsamen Dinge, die in jener Nacht geschahen, erkannte, was der Mann vorhatte, und lud ihn ein von dem Feuer zu nehmen. Aber der Fremde hatte nichts dabei, womit er die Kohlen oder die Glut hätte einsammeln können. Als der Hirte das bemerkte, lud er ihn mit höhnischem Lächeln noch einmal ein: Nimm nur. Da griff der Mann geradewegs ins Feuer, nahm die Kohlen, steckte sie in den Mantel – und die Kohlen verbrannten weder seine Hand noch seinen Mantel. So ging er davon. Der Hirte aber, erstaunt über das, was er da sah, folgte dem Mann von ferne. Und der Mann ging zurück zu der Grotte, wo seine Frau und das Kind ihn schon erwarteten. Jetzt sah auch der Hirte die Frau, das Kind, wie ärmlich alles war, wie die beiden froren, und er war zutiefst beschämt, dass er dem Mann nicht hatte helfen wollen. Er greift in seine Hirtentasche, holt ein Fell heraus, gibt es dem Mann für das Kind und bittet ihn um Verzeihung. Auf einmal sieht er das, was er vorher nicht sah: um das Kind, um die Familie, um die Grotte waren ganz viele Engel, und er hörte ihren himmlischen Gesang. Ihm gingen die Augen auf für das Wunder von Weihnachten. – Und Großmutter schloss ihre Erzählung mit den Worten, dass diese Engel noch immer unterwegs sind und um uns schweben, in jeder Heiligen Nacht (und wohl auch sonst) – nur sehen wir sie so oft nicht. Aber wo wir unser Herz öffnen für dieses Kind und die Liebe, die Gott dieser Welt schenkt – da spüren wir auf einmal, wie nahe die Engel um uns sind, wie nahe Gott um uns ist. Das ist Weihnachten. – Spüren wir sie schon, die Engel, spüren wir es schon, das Wunder der heiligen Nacht, das Wunder der Liebe? Bleibt behütet!