Geistliches Wort

Fröhlich geben!
Ist euch das auch schon passiert? Ihr fragt einen guten Bekannten nach Rat, bittet um ein Treffen, und der zählt euch erst einmal auf: Was er wann schon für Termine im Kalender stehen hat, und während er so redet, bekommt ihr ein schlechtes Gewissen. „Da ist jemand so ausgelastet, wie kann ich ihn da auch noch behelligen“, denkt ihr! Ich habe mich auch schon ertappt, dass ich umständlich aufzählte, wann ich nicht kann, statt einfach zu sagen: „Also an dem Tag, da passt es, gerne!“ – Klar, man muss auch mal Nein sagen können. Aber wenn ich Ja sage, dann soll der oder die andere wissen: Ich tue es mit ganzem Herzen und bin wirklich bereit! – In der Bibel fasst Paulus dies in dem Satz zusammen: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb!“ – Paulus zeigt uns damit: Wenn du gibst, dann gib gerne und hochmotiviert! So gibt ja auch Gott täglich: so verschwenderisch schafft er Leben in millionenfacher Gestalt, Pflanzen, Tiere, Menschen! Er schenkt uns Lebenszeit, er ist da, an deiner und meiner Seite, er vergibt uns Schuld, er hört uns an, was wir ihm zu sagen haben, und nie gibt er uns das Gefühl: Nein, nicht schon wieder, ich hab doch gar keine Zeit oder Lust! So war es auch bei Jesus. Seine Zeit auf Erden war wirklich sehr kostbar und begrenzt. So viele wollten etwas von ihm. Aber er nahm sich Zeit: für die Kinder, sie zu segnen, für das todkranke Mädchen, in ihr Haus zu kommen, für den Außenseiter Zachäus, bei ihm einzukehren, für die Blumen und Vögel: stehen zu bleiben und über sie zu staunen. Er gab und gibt noch immer mit großer Fröhlichkeit. In Tansania durfte ich in den Gottesdiensten erleben, wie fröhlich Kollekte gegeben wird: es wird getrommelt und getanzt, Menschen bewegen sich anmutig zum Kollektenbeutel hin. Das macht richtig Spaß.
An Ostern haben in unseren Gemeinden auch Menschen fröhlich gegeben: Unser Osterteam, das die Gottesdienste mitgestaltet hat. Eine Urlauberfamilie aus Berlin, die spontan in unserem Osternachts-Gottesdienst gesungen hat! Die Kinder in Klanxbüll sind so wunderbar als Detektive auf die Suche nach Ostern gegangen. Und Ove Lück hat unser Frühstück so reich mit Ostergaben ausgestattet! Den großen Lindt-Osterhase, der verlost wurde, gewann Paul Andersen. Seine große Freude war es ihn gleich weiter zu verschenken an eine Familie mit Kindern! So viel Freude wurde hier durch Schenken vermittelt! „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb!“ Gönnt den Menschen um euch ihr Glück, tragt selber dazu bei, mit Freude! Und lasst euch selber beschenken, wir lebenalle von dem, was wir nicht verdienen, was uns einfach so gegeben wird! Und die Liebe ist das allergrößte Geschenk! Einen fröhlichen Sommer mit wunderbaren Gesten und Gaben wünsche ich uns allen! Bleibt behütet! Euer Pastor Gerald Rohrmann

Geistliches Wort März bis Mai 2026
Alles war neu damals: mein Wechsel auf die weiterführende Schule! Nun galt es mit dem Bus quer durch die Stadt zu fahren, neue Mitschülerinnen und Mitschüler, neue Fächer, neue Lehrer. Aber es fühlte sich gut an. Ich hatte mich nie so wohlgefühlt auf der Grundschule. Nun wurde alles anders: Freundschaften entstanden, und Latein begleitete mich bis in die Abiprüfung hinein. Alles neu – Gott sei Dank!
Alles war neu. Ihr fiel der Abschied schwer von ihrem eigenen Haus weg ins Seniorenheim. Nur ein Zimmer hatte sie nun, zwei kleine Möbelstücke konnte sie von daheim mitnehmen. Nun gab es einen vorgegebenen Tagesablauf, so viele „alte“ Menschen auf einmal um sich. Sie vermisste ihr Zuhause, ihre Selbstständigkeit, zu essen, wann sie wollte, und keine Rücksicht auf andere nehmen zu müssen. Aber es tat ihr auch wieder gut, das Neue: für das Essen war gesorgt, sie war nicht mehr einsam, es gab ein buntes Programmangebot im Heim, und bald freundete sie sich mit anderen Frauen an. Und sie muss sich nicht mehr sorgen, was wird, wenn sie nicht mehr zu Hause bleiben kann!
Es ist herausfordernd, wenn alles neu ist – aber es kann aufregend sein, wenn wir bereit dafür sind. In der Jahreslosung für das neue Jahr sagt Gott: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5). Das steht am Ende der Bibel. Am Anfang erzählt die Bibel, wie Gott die Welt und das Leben schuf, und es war sehr gut. Aber so bleibt es nicht – vor allem der Mensch ist es, der mit seinem Verhalten viel kaputt macht. Es gibt Tod und Leid und Gewalt und Einsamkeit auf dieser Welt. Am Ende der Bibel macht sich Gott noch einmal ans Werk. Gott ist gut im Bewahren, aber ein Meister in neuen Ideen und neuem Schaffen. Ein bisschen neu geht bei Gott nicht und wird dem Ernst der Lage auch nicht gerecht. Alles wird neu, beschließt Gott. Und macht sich ans Werk. Und so wird es dann kommen: Wo eben noch Streit war, wird Frieden. Wer eben tot war, erwacht zum neuen Leben. Und nassgeweinte Augen strahlen vor Freude. Und keiner ist mehr allein. Ein weiter Weg bis dorthin! Aber Gott hat einmal alles so einzigartig geschaffen. Wie sollte er nicht auch alles neu machen können! Und uns wird es dann neu geben: immer noch wir, und doch anders. Wie unser Dasein dann genau aussehen wird, ist noch ein Geheimnis. Gott weiß es
Bis dahin haben wir genug zu tun: jeden Tag warten neue Herausforderungen. Jeden Tag sind wir schon ein wenig neu. Immer noch wir, aber Gott macht mit uns immer wieder einen neuen Anfang, hat noch viele ungeahnte Möglichkeiten in uns versteckt. Lasst uns sie herausholen, diese Möglichkeiten! Und schon jetzt Neues wagen, und mit Lachen, Liebe, Hoffnung, Frieden die Welt neu anmalen!
Geistliches Wort Dezember 2025 bis Februar 2026
„Wird später, Auto springt nicht an!“ – Die Whats-App-Nachricht ihres Sohnes leuchtete auf ihrem Handy auf. Mit zitternder Hand schiebt sie sich den Stuhl zurecht. Musste sie wirklich das erste Weihnachten nach dem Tod ihres Mannes alleine zubringen? Ihr Sohn war ihre einzige Freude. Und Weihnachten ließ sie nur deshalb nicht ausfallen, weil er sich angekündigt hatte. Aber ohne Auto würde er nicht kommen können. Sie würde ganz allein sitzen, die Ente im Backofen würde kalt werden und sie sich bald heulend ins Bett verkriechen …
„Wird später!“ Diese Botschaft passt schon zum allerersten Weihnachtsfest. Der lang erwartete Heiland hatte sich damals ja selber verspätet. Jahrhundertelang angekündet, kam er nicht auf die Erde. Als es dann endlich so weit war, war nichts vorbereitet. Die wenigsten bekamen damals die Geburt mit. Maria und Josef waren selber spät dran bei ihrer Ankunft in Bethlehem – keine Gaststube war mehr frei, nur ein Raum für das Vieh mit Futterkrippe in der Mitte. Und die Hirten wurden auch erst auf den letzten Drücker informiert und so die einzigen, die dem Heiland in jener Nacht noch ihre Aufwartung machten. Mal abgesehen von den Sterndeutern aus dem fernen Ausland, die irgendwie so einen Riecher hatten. Gott hatte es wohl von Anfang an so geplant: er wollte keinen roten Teppich und keine Blaskapelle – still und unerkannt kam er zur Erde um als einfacher Mensch mitten unter den Menschen zu leben. Im Grunde ist er das noch immer, hier bei uns, unsichtbar und doch dir, mir zur Seite mitten im Alltag, spendet Kraft, flößt Hoffnung ein, gibt überraschende Einfälle, legt uns Liebe ins Herz. Gott bleibt gerne inkognito und ist eben doch da! Jedes Jahr zur Weihnachtszeit erinnern wir uns daran. –
Sie hatte gerade die Decke über ihren Kopf gezogen, als es an der Haustür klingelte. Ihr Sohn stand doch plötzlich da. Einen älteren Mann schob er vor sich zur Tür hinein: „Das ist Gustav, mein Nachbar. Er hatte kein Überbrückungskabel, aber bot sich an mich zu fahren. Gustav hätte auch allein jetzt daheim gesessen wie du, Mutter. Da hab ich ihn eingeladen mit hoch zu kommen. Gesegnete Weihnachten!“
Ihr altes Mutterherz hüpfte vor Freude. Die Ente schmeckte auch lauwarm. Irgendwann nach Mitternacht kroch sie ins Bett. Gustav und ihr Sohn hatten ein Nachtlager im Wohnzimmer bezogen. „Du kommst also immer noch zu uns Menschen, Jesus“, flüsterte sie vor dem Einschlafen. „Nur manchmal etwas spät!“ Ihr war, als hätte eine Stimme geantwortet: „Ich bin doch längst da!“ –
Ich wünsche allen ein gesegnetes Weihnachtsfest! Und wenn ihr euch gerade gottvergessen vorkommt, hört nie auf zu vertrauen: Gott ist schon ganz in der Nähe! Ganz bestimmt! Euer Pastor Gerald Rohrmann mit Familie
Geistliches Wort September bis November 2025
Ich bin unterwegs zu einem Beerdigungsgespräch. Jemand starb zu früh, nach kurzer, schwerer Krankheit. Ich sitze mit dem Ehepartner und den Kindern zusammen. Sie erzählen: Die Familienfeier vor kurzem: da war er noch dabei. Trotz Krankheit war er noch vor wenigen Tagen in seiner Werkstatt gewesen. Einen letzten Auftrag aus der Nachbarschaft hat er noch abgearbeitet. Er hätte sich nach seinem engagierten Arbeitsleben einen langen Ruhestand verdient. Ideen, was er noch gerne machen würde, hatte er genug. „Da hätte er 150 Jahre alt werden müssen“, sagt eines der Kinder mit einem Lächeln. Trotz der Krankheit konnte er zu Hause sterben, wie er es sich so sehr gewünscht hat. Kein Zweifel: In diesem Trauerzimmer hat längst ganz viel Dankbarkeit Platz genommen. Stärker als der Schmerz ist das Halleluja! Anderer Tag, anderer Ort. Konfirmationsgottesdienst. Sechs Jugendliche der Carl-Ludwig-Jessen-Schule sind ganz aufgeregt: heute werden sie in der Kirche zu Leck eingesegnet. Seit Wochen haben sie in der Schule am Freitag, wenn ich zum Konfirmandenunterricht da war, von nichts anderem geredet. Geschenke, Besuch – und sie im Mittelpunkt einer großen Feier. Sie strahlen. Es kommt nicht darauf an, wie hoch die Geldbeträge sind, die sie nachher überreicht bekommen. Ich habe das Gefühl, sie spüren womöglich mehr als andere Jugendliche, mehr als die Erwachsenen, mich eingeschlossen, wie bedeutsam dieser Tag der Konfirmation ist und wie großartig das ist, von Gott gleich Segen zu empfangen. Mich rührt diese Ergriffenheit in ihren Gesichtern: Halleluja!
Szenenwechsel. Nachts um vier Uhr. Das kann doch nicht wahr sein! Kein Zweifel, sie sind wieder wach. Sie – unsere neun Hundewelpen, die Boxerhündin Lia vor vier Wochen geworfen hat. Und ich bin doch erst seit zwei Stunden im Bett! Aber es ist meine Schicht: auf- stehen, das eingeweichte Futter fertig machen, die Welpen aus der Wurfbox in die Küche tragen, füt- tern, die Wurfbox wieder sauber machen und frisch mit Tüchern und Kissen auslegen. Noch etwas mit den Welpen spielen, damit sie müder werden und nicht nach zwei Stunden schon wieder auf der Matte stehen. Dann sie in die Wurfbox bringen, das Futter für die nächste Fütterung einweichen, und endlich, endlich mich selber wieder hinlegen. Gleich einschlafen kann ich nicht. – Draußen wird es langsam hell. Drinnen spielen die Welpen um meine Füße. Ist das herrlich ihnen zuzusehen! Was darf ich da für ein Wunder erleben – das Wunder neuen Lebens! Und ich fühle mich trotz Müdigkeit unendlich beschenkt: Halleluja.
Vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat. Vergiss nicht: das Halleluja! – In dem Sinne: bleibt behütet!
Euer Pastor Gerald mit Familie
Geistliches Wort Juni bis August 2025
Gleich obenauf liegt der Brief im Postkasten. Absender: Amtsgericht. Nichts Gutes, das ahne ich gleich. Und tatsächlich: wieder ist jemand ausgetreten aus der Kirche. Manchmal kenne ich den Namen. Mancher ist mir auch unbekannt. Manchmal hatten wir erst kürzlich eine Hochzeit oder Konfirmation zusammen. Manchmal ahne ich, dass es finanziell in der Familie wirklich gerade knapp ist. Und natürlich weiß ich, dass leider viel zu viel bei Kirche passiert ist, das nicht hätte passieren dürfen! Und es erfüllt mich mit Scham.
Umgekehrt durfte ich Kirche oft genug als sehr segensreiche Institution erleben, für mich war meine Heimatgemeinde wirklich ein Stück Heimat mit viel Geborgenheit, die ich vom Kindergottesdienst an dort erfuhr. Oft genug sitze ich dann ratlos vor so einer Austrittsmitteilung und immer betrübt: schade, wenn Kirche und damit uns alle jemand verlässt! Dann stehen sie mir vor Augen, unsere vier wunderschönen Kirchen, ich versuche mir vorzustellen, wie stolz Menschen einmal waren, als diese Kirche gebaut wurden, wie sie selber dieses Projekt unterstützt und so mancher viel dafür investiert hat, weil ihm Kirche am Herzen lag. Und heute? Sonntags verlieren sich oft wenige in den Kir- chen. Und die Botschaft von Gott, der die Liebe ist, von Jesus, der uns annimmt, vom heiligen Geist, der uns hilft dieses Leben zu meistern und durch uns Segen in die Welt tragen will – ist sie wirklich nicht mehr aktuell und relevant? Ich kann alleine nicht glauben – ich brauche das Miteinander mit anderen, den Austausch, das gemeinsame Singen und Beten, Lachen, Wei- nen und Hoffen … Ich brauche euch, und Kirche braucht gerade auch die Zweifelnden, auch die
mit den kritischen Gedanken, auch die, die zu Recht aufs Geld schauen und trotzdem froh sind Kirche noch im Dorf zu haben. Und auch die mit den ganz neuen Ideen wie Kirche sein könnte, ich würde so gerne mit euch träumen und etwas verändern!
Und so brauche ich Pfingsten. Pfingsten erinnert mich an Menschen, die mir Glauben vermittelt haben. Pfingsten heißt: Jesus selber ruft uns in die Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern. Pfingsten heißt: Christinnen und Christen sind auf der ganzen Welt zu finden, sprechen verschiedene Muttersprachen, aber haben universale Zeichen wie Taufe, Abendmahl, Kreuz, Gebet und Segen, die uns verbinden. Pfingsten heißt: da ist ein Geist überall auf der Welt am Wirken, er setzt in Bewegung, verleiht Flügel, gibt Hoffnung, lässt Menschen über sich hinaus- wachsen wie damals an Pfingsten den Fischer Petrus, der mal schnell eine Predigt hielt und daraufhin 3000 Menschen taufte. Pfingsten lässt uns spüren, dass Gott in uns ist und über uns, der uns riesig liebhat. Pfingsten erinnert mich: alles kann klein anfangen, aber Gott lässt aus Kleinem Großes werden! Pfingsten ist das Fest der Begeisterung über Gottes Wort, der Freude am Miteinander, der Hoffnung: dass alles möglich ist. Wunder geschehen, und das Schönste kommt erst noch!
Ich freue mich auf Pfingsten! Ich freue mich auf lebendige Gemeinschaft, in der wir zusammen lachen und weinen und versuchen die Welt etwas schöner und besser zu machen! Und das nicht aus uns heraus: es ist der Heilige Geist, der das alles wirkt!
Euer Pastor Gerald Rohrmann!