Sie war da unter dem Kreuz, sie und die Mutter von Maria und noch andere Frauen. Von den Jüngern dagegen heißt es, dass sie weggelaufen waren und die meisten nur aus halbwegs sicherer Entfernung zuschauten.
Sie hielten bei ihm aus, bis zuletzt, und begleiteten den Leichnam Jesu, bis er in das Familiengrab von Josef von Arimathäa gebettet wurde. Sie saßen zusammen, einen langen Tag, zwei lange Nächte, bis am Sonntag die Sonne aufging, bis der Sabbat vorbei war und sie wieder einen Friedhof betreten, Jesu Grab aufsuchen und die rituellen Bräuche mit Salböl und Spezereien, die am Freitag wegen der Kürze der Zeit nicht mehr stattfinden konnten, nachholen wollten. Sie waren die ersten Zeugen des leeren Grabes und des Auferstandenen selber, der ihnen begegnete. „Maria“ war der erste Name, den Jesus an diesem Ostermorgen rief, so anders war sein Aussehen wie nicht mehr von dieser Welt, aber so vertraut seine Stimme. Und er meinte sie: die Maria aus Magdala. So erzählt es der Evangelist Johannes in seinem Evangelium.
Und Maria, die Jüngerin, die treueste der Treuen, die an seiner Seite blieb bis zuletzt, bekommt vom Herrn den Auftrag: als allererste diese Osterbotschaft weiterzusagen, an die Freunde, und von dort wanderten diese Hoffnungsworte um die ganze Welt!
Was aus dieser Maria aus Magdala geworden ist? Ob sie wirklich schreiben konnte und das ihr zugeschriebene Evangelium der Maria verfasst haben kann, das an Ostern endet mit dem Weggang des Auferstandenen, und wie Maria es dann ist, die die anderen Jünger aus der Erstarrung löst mit den Worten: „Weint nicht! Seid nicht traurig und nicht verzagt! Denn die Gnade des Erlösers wird euch alle begleiten und beschützen. Wir wollen vielmehr seine Größe preisen, denn er hat uns alle geschaffen und zu Menschen gemacht.“ (Übersetzung von Berger/Nord)? – Ob sie wirklich, wie die mittelalterliche „Legenda aurea“ Glauben machen will, mit einem Schiff nach Frankreich gesegelt und in der Provence gelandet ist? Oder blieb sie bei dem Jünger Johannes, der sich auch um Jesu Mutter Maria kümmerte, und starb später in Ephesus? Es gibt noch so viel mehr Mutmaßungen, und vieles bleibt noch immer ein Geheimnis.
Sie ist aber auf jeden Fall Vorbild im Glauben, zugleich Bürgin der Verlässlichkeit der christlichen Botschaft und deutliches Zeichen, wie wichtig für Jesus auch die Frauen als Jüngerinnen waren. Sie saß zu seinen Füßen, sie hörte die vielen Worte und sah seine Zeichen, sie wurde wichtige Säule der christlichen Gemeinschaften, die sich bald nun bildeten.
Dass es bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts dauerte, dass erstmals auch Frauen zu Pfarrerinnen und Pastorinnen ordiniert wurden. Dass es in manchen Kirchen bis heute nicht möglich ist: Das ist schwer nachzuvollziehen, wenn man sieht, wie Jesus Frauen in seiner Gesellschaft achtete. So rückständig christliche Gemeinden in dieser Frage viel zu lange waren (und sind): revolutionär war die Botschaft, die in allen Gemeinden von Anfang an verkündet wurde: Alle sind Brüder und Schwestern. Geschlechts-, Herkunfts- und Standesunterschiede spielen im Glauben und vor Gott keine Rolle: Alle – wirklich alle – sind sie einer oder eine oder eben: eins : in Christus Jesus (siehe Galaterbrief 3,28). Benachteiligungen, Diskriminierungen, Rassismus – all das darf in einer christlichen Gemeinschaft keinen Platz haben. Punkt.
Wir haben Nachholbedarf! Großen sogar! – Bleibt behütet – so grüße ich euch alle am Weltfrauentag!
Foto: Auch eine wichtige Frau – die heilige Veronika, die Jesus für seinen Schweiß ein Tuch reichte auf dem Weg zur Kreuzigung – Aufnahme von der Via Dolorosa in Jerusalem