
Puh, ging das schnell vorbei, das eine Jahr Konfirmandenunterricht! Und – es war beinahe coronafrei! Zumindest war im Lauf des Jahres bald keine Rede mehr von all den Einschränkungen, die die vergangenen drei Jahrgänge mitmachen mussten – mit ausgefallenen Freizeiten, teilweise Online- Unterricht und Konfirmationsfeiern, bei denen die Anzahl der Teilnehmenden streng begrenzt werden musste. Vom Abendmahl to go in der Papiertüte mit Hostie und Träubchen ganz zu schweigen... So aber war sie möglich , die Fahrt nach Schleswig mit einer Übernachtung und Besuch des Bibelmuseums. So waren sie möglich: Kennenlernspiele, die nicht strikte Abstände einhalten mussten. Anna Ihme vom Evangelischen Kinder- und Jugendbüro baute für uns den Niedrigseilgarten an der Christuskirche in Niebüll auf, bei dem es galt dicht an dicht auf dem Seil zu balancieren und sich gegenseitig beim Bewältigen des Parkours zu helfen. Und auch unser beliebtes Spiel „Affe, Affe, Sau“ konnten wir mit vollem Körpereinsatz spielen, und die Mund-Nase-Bedeckungen konnten in der Tasche bleiben.

Ihr seid schon eine besondere Truppe, keine Frage! Zwei Mädels, zugleich auch noch Schwestern, hielten tapfer durch inmitten der ansonsten reinen Jungenriege, die nicht immer so kavalierlike war. Aber Katja und Julia und dazu noch Teamerin Martha taten der Gruppe richtig gut! Und wenn Katja von ihren Erfahrungen mit Kirche und Reliunterricht aus den neuen Bundesländern erzählte und von der Jugendweihe dort, wurde ihr aufmerksam zugehört. Und uns allen wurde bewusst, dass es bei Konfirmation auch um eine ganz persönliche Entscheidung geht: wollen wir im Glauben an Gott unser Leben führen, im Vertrauen auf eine unendliche Kraftquelle, die uns das Leben geschenkt hat und uns liebt und mit uns einen Plan hat und jeden Menschen, jedes Lebewesen als einzigartiges Wunder gestaltet hat? Sollen diese Geschichten um Jesus, sein Einsatz für die Schwächsten, sein Blick für Ausgestoßene, seine Botschaft der Liebe, sein Sieg über den Tod: Bedeutung für unser Leben bekommen, oder interessiert uns das alles nichts? Als in einer Stunde Pfarrer Hirt vom Lebenshaus in Uganda erzählte und wie Menschen durch den Glauben an Gott dort die Welt ein Stück besser gemacht haben, war es so still und andächtig wie sonst selten bei uns. Und mancher von euch Jugendlichen hat das Armband mit der Aufschrift: Was würde Jesus tun ganz bewusst eine Woche lang oder noch länger getragen, wie ein Bekenntnis zu diesem Jesus, der dieser Welt gut tut! Ihr wart hilfsbereit und packtet mit an: beim Kinderfest in Klanxbüll etwa oder beim Spielefest in Emmelsbüll. In den Pausen bedientet ihr euch schon mal an Fahrrädern, die nicht immer eure eigenen waren, oder spieltet Fußball und traft mit dem Fuß schon mal versehentlich statt dem Ball die Glasscheibe an der Tür zum Pastorat, die in tausend Splitter zerbarst. Gott sei Dank hatten wir einen sehr verständnisvollen Kirchengemeinderat! -
Joshi hatte die am schwierigsten planbare Anreise zum Unterricht: von Sylt ging es mit dem Zug nach Klanxbüll, wo dann das Fahrrad für die Weiterfahrt in das Gemeindehaus bereitstand, in dem wir gerade Unterricht hatten – wehe, wenn dies dann der Eckhof in Galmsbüll war! Die Gottesdienste wurden eifrig besucht, und die Eltern leisteten ein beträchtliches Pensum an Fahrdiensten – großes Dankeschön dafür!
Ja, es gab Krankheitsausfälle, selten schafften wir es zum Unterricht als vollständige Gruppe zusammenzukommen, weniger Corona, dafür Grippe und anderes schlug in diesem Jahr besonders zu.
Unsere Abschlussfreizeit fand statt, wobei es echt schwierig war eine passende Unterkunft zu finden: die Jugendherbergen in Schleswig, Bremen und Bremerhaven beispielsweise werden gerade umgebaut oder sind aus anderen Gründen für Buchungen nicht erreichbar. Jetzt in den Osterferien nahm uns das Jugendherbergsschiff in Bremen auf, das auf der Weser liegt und drei Tage lang uns ganz alleine gehörte. Die Kajüten waren eng, aber wir hatten so schönes Wetter, dass wir auf Deck frühstücken und zu Abend essen konnten und die Sonne genossen. Und wenn man schon nicht vom Boot aus in die Weser springen durfte, so sorgten doch Wasserspritzpistolen mit gewaltigem Tankumfang für eine Abkühlung. Ihr wart sehr charmant, und Teamerin Martha hatte sogar einen eigenen Taschenträger, der auch ungefragt immer ihre Handtasche trug. Und unterwegs waren wir natürlich auch viel: besichtigten die Altstadt mit den Bremer Stadtmusikanten und dem Roland, erklommen im Dom die knapp 300 Stufen um vom Turm die Aussicht über Bremen zu genießen (irgendwie musste ich ja die Jugendlichen für abends müde bekommen),

suchten die versteckte Skulptur einer Maus, die von Tamme , Benne und anderen Spürnasen gefunden wurde. Im Weserstadion stellte sich Magnus den Reporterfragen vor dem nächsten Heimspiel, und ihr alle fandet Platz auf der Auswechselbank des SV Werder. Und zumindest das 8. Gebot habt ihr verinnerlicht – wer eigentlich hatte nochmal auf die Frage des glühenden Werderfans, der uns durch die Katakomben des Stadion führte, nach unserem Lieblingsverein gleich vom HSV vorgeschwärmt? Fast hätten wir den doppelten Eintrittspreis deswegen zahlen müssen! – Ihr wart auch im Klimahaus Bremerhaven, erklommt dort die Schweizer Alpen, durchquertet bei Nacht einen Urwald und fandet euch wenig später in der Kälte der Antarktis wieder. Und dann mussten wir am Abend desselben Tages früher als geplant die Heimreise antreten, denn für den nächsten Tag waren Streiks im Öffentlichen Nahverkehr angekündigt. Es ging alles gut bis Heide. Dort standen wir dann eine Stunde auf dem Bahnsteig, weil vor Husum irgendein verdächtiger Gegenstand im Gleiskörper gefunden wurde. Keiner konnte garantieren, dass wir in der Nacht noch nach Hause kommen würden. Aber was machte das – auf einmal packten ein paar Sylturlauberinnen, Jahrgang 1950 Sekt, Gläser und eine laute Box mit Musik aus. Zu „Er gehört zu mir“ und anderen Schlagern wurde der Bahnsteig beschallt, und auf einmal fing alles zu tanzen an. Selbst unsere Jungs und Mädels. So habt ihr statt zu meckern über die Wartezeit den Bahnsteig gerockt, und das ist klasse!

Beim FC Werder Bremen
Das wünsche ich euch für euer Leben: dass ihr immer das Beste versucht aus allen Situationen zu machen. Dass ihr das Leben feiert! Und dass ihr sein dürft, wie ihr seid, jeder, jede sicher mit Stärken und Schwächen, aber unendlich liebenswert! – Viel zu schnell werdet ihr groß. Konfirmation ist kein leichter Tag, schon gar nicht für eure Eltern, die merken, dass ihr mehr und mehr erwachsen werdet. Aber sie können auf euch stolz sein! Einige von euch haben schon manches durch und sich nicht unterkriegen lassen. Ihr alle habt tolle Gaben und Begabungen – wie kann man so großartig zeichnen wie Julia? Und gute Fußballer haben wir ja auch im Team! – Geht euren Weg. Vertraut, dass der liebe Gott euch Gaben mitgegeben hat, die diese Welt dringend braucht. Und wisst, dass Gott euch liebt, so wie ihr seid. Man kann im Leben mal scheitern, muss vielleicht Umwege gehen, kann nicht alle Träume gleich leben. Aber es gibt einen Platz, der ist für euch bestimmt. Da werdet ihr gebraucht, und da will Gott auch mit euch die Welt verändern. Wenn ihr anderen mit Respekt begegnet. Wenn ihr bei Mobbing dazwischengrätscht. Wenn ihr Hände reicht, wo andere Hassparolen brüllen. Und wenn ihr manchmal so abtanzt wie in Heide auf dem Bahnsteig, auch dann, wenn euch das Leben den Mittelfinger zu zeigen scheint. Dann seid ihr auf einer richtig guten Spur: Der Lebensspur Jesu. Dass ihr dabei immer Herzensmenschen um euch habt und wissen dürft, wie sehr ihr auf eure Familie zählen könnt. Dass dort Türen immer offen stehen für euch und ihr die Freiheit bekommt, die ihr braucht um euren Weg zu finden, und die Unterstützung, die nötig ist, um euren Weg auch zu wagen. Das wünsche ich euch von ganzem Herzen. Und einen großartigen Konfirmations – und für manche ja auch noch: Tauftag! Danke für die Zeit mit euch! Euer Pastor Gerald