Da stand er vor ihr, der Fremde, von dem so ein Glanz ausging, und sprach sie mit ihrem Namen an und hatte diese unglaubliche Botschaft: Hab keine Angst! Du wirst schwanger werden! Jesus soll dein Kind heißen, und er wird „Sohn des Höchsten“ genannt und als König herrschen. – Puh, das war viel auf einmal – schon die Schwangerschaft: eigentlich unmöglich! Biologisch unmöglich oder einfach nur im Denken der anderen unmöglich, wo sie doch mit Josef noch gar nicht verheiratet war … Und dann – „Sohn des Höchsten“, Gottessohn, Messias – auch wenn es da tatsächlich in ihrem Stammbaum oder genauer im Stammbaum ihres Verlobten Josef königliches Blut gab, die beiden Stammbäume, die uns die Evangelisten Matthäus und Lukas überliefern, weisen eine Abstammung vom König David nach … Und dann verweist der Fremde, der Maria auf einmal so unwirklich zu sein scheint wie ein Engel, noch auf ihre Verwandte Elisabeth hin, auch schwanger, sie aber schon in fortgeschrittenem Alter, die auch nie und nimmer mit einem Kind gerechnet hatte – und es passierte eben doch, weil – ja, weil Gott alles möglich ist … – Elisabeth! Sie wird Marias Rettung, als der Engel längst verschwunden war, als Josef den Kopf schüttelte und alles nicht fassen konnte, als halb Nazareth sich den Mund zerriss über Maria und ihre plötzliche Schwangerschaft – „noch nicht mal verheiratet ist sie, das gehört sich doch nicht!“ – Drei Tagesreisen macht sie sich auf den Weg, flieht aus Nazareth, kommt zu Elisabeth. Die beiden Frauen haben sich viel zu erzählen. Und ganz nahe ist auf einmal Bethlehem, der Ort, aus dem einst König David kam und aus dem auch der künftige Messias einmal erwartet wurde … – Nach dieser Reise und ihrem Besuch bei Elisabeth ist Maria wirklich bereit für diese große Aufgabe. – Maria. eine toughe Frau, und am toughesten sind die Worte, die sie dem Engel dennoch schon gleich, spontan sagt auf diesen – ja, sicher Schock, anders wird sie die Nachricht der Schwangerschaft kaum aufgenommen haben: „Ich bin des Herrn Magd. Mir geschehe, wie du gesagt hast.“ – Manchmal ist das das Größte, was wir sagen können, wenn wir das Wieso und Weshalb und Warum in unserem Leben nicht verstehen, keine Erklärung haben, nur eines wissen: Es ist jetzt so. Wir müssen das annehmen. Wir können an der Aufgabe wachsen. Und Gott wird und muss uns dabei helfen. – Wie viele haben in ganz anderen Lebenssituationen an diesem Mut Marias und ihrer Entschlossenheit Kraft gefunden ihr eigenes Leben und so manches Unerwartete, was da geschieht, anzunehmen. Und manchmal braucht es dann einfach jemand, mit dem wir reden, unser Herz ausschütten können und der auch schon seine Erfahrungen mit diesem Gott gemacht hat. Und dann, nach so einem Gespräch, sehen wir klarer und sind bereit. So weit mal! Bleibt behütet!
Das Foto ist aus Nazareth, aus der Verkündigungskirche.