Es fehlten am Ende nur wenige Kilometer, und doch haben wir es nicht mehr dorthin geschafft: nach Oberndorf, der Wiege des Weihnachtsklassikers schlechthin: „Stille Nacht“. Im Herbst hatte ich meine Tochter Tabea in Wien besucht, und gemeinsam beschlossen wir einen Tag für einen Abstecher nach Salzburg zu nutzen. Na ja, das ist eine drei- oder mehrstündige Autobahnfahrt, aber es reizte uns einmal so mitten in die Berge zu kommen, auf den Spuren Mozarts unterwegs zu sein und außerdem die berühmten Salzburger Nockerl, die wir in einer sehr köstlichen Variante vor einigen Jahren in einem Hotel in Dagebüll genießen durften, am Originalschauplatz zu verspeisen. Morgens hin, abends zurück, das Ende Oktober, wo es früh dunkel wurde, da war an einen Abstecher nach Oberndorf nicht mehr zu denken. Und doch hatte ich den Film „Das ewige Lied“, der eigentlich immer in der Weihnachtszeit im Fernsehen läuft, in Salzburg vor Augen, der die Entstehungsgeschichte des Liedes „Stille Nacht“ mit sicher viel dichterischer Freiheit nacherzählt: die Zweiteilung von Oberndorf damals in einen zu Österreich und einen zu Bayern gehörenden Teil, den Konflikt zwischen den Salzachschiffern, die das Salzmonopol innehatten und dem Oberndorfer Unternehmer Johann Burgschwaiger, der an dem Bau einer Eisenbahnlinie interessiert gewesen sein soll. Und dann ist da ja auch noch die Legende von der Orgel in der Oberndorfer Kirche, die just vor Heilig Abend ausgefallen sein soll, sodass der Hilfspriester Joseph Mohr am Heiligen Abend dem Organisten Franz Xaver Gruber ein von ihm vor zwei Jahren verfasstes Weihnachtsgedicht überreicht, zu dem dieser in Windeseile eine Melodie für zwei Solostimmen und Chor mit Gitarrenbegleitung verfasst. Und in der Christmette jenes Jahres 1818 soll dann das Lied „Stille Nacht“ dann das erste Mal erklungen sein, in Oberndorf, und Gruber sang Bass, Mohr Tenor.
Ja, wir haben es an jenem Tag nicht mehr geschafft in die Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf. Diese Kapelle wurde nach dem Abriss von St. Nikola, der Kirche, in der „Stille Nacht“ uraufgeführt wurde, zum Andenken an das weltberühmte Weihnachtslied errichtet. Dafür schafften wir es über die Salzach und auf die Bergfeste Hohensalzburg, ins Mozarthaus und natürlich dann auch noch zu den Salzburger Nockerl, die wirklich traumhaft schmeckten. Salzburg ist eine Reise wert, vielleicht können wir in einem neuen Anlauf irgendwann doch noch nach Oberndorf gelangen, dann könnte ich euch davon erzählen. So gibt es nun gleich nur ein Foto von den Nockerln und der Bergfeste. Und doch, wenn ihr genau hinschaut und hinhört, fängt vielleicht doch von ferne das Lied „Stille Nacht“ schon zu klingen an. Wenn wir das in den Gottesdiensten morgen gesungen haben und dann noch „O du fröhliche“, dann, ja dann ist Weihnachten wirklich da: die rettende Stund, die mit Jesu Kommen schlägt, der Heiland, der auch für dich und mich in der Krippe liegt um unser Leben zu teilen und uns ganz nahe zu sein!
Morgen ist mein Tag sehr gefüllt mit fünf Gottesdiensten, da wird an dieser Stelle hier allenfalls noch ein kurzer Weihnachtspost erfolgen. Ich wünsche euch jetzt schon ein gesegnetes, friedvolles, glückliches Weihnachtsfest, das euch spüren lässt: Der Retter ist da!
P.S. Und dann hörte ich vorhin noch, dass Chris Rea gestorben ist. „Driving home for Christmas“, das ist auch einer dieser Weihnachtsohrwürmer, die ich immer wieder hören kann, mit Chris Reas so wunderbarer Stimme. Ein Lied so voller Sehnsucht an Weihnachten daheim zu sein und mit den Herzensmenschen dieses Fest feiern zu können. Seid alle gegrüßt, die an Weihnachten nicht daheim sein können, weil ihr arbeiten müsst oder zu weit von daheim entfernt wohnt...Habt trotzdem auch ihr da, wo ihr seid, heimelige Gefühle, spürt Gottes Nähe, habt Menschen um euch, die euch gut tun! Bleibt behütet!