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28. Tag der Passionszeit, 12. März 2024

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Bild zur Meldung: Foto: privat

Heute vor 1420 Jahren wurde er in Rom zu Grabe getragen: Papst Gregor der Erste, der „Große“ später genannt. Er hat vieles für die Kirche getan als Bischof von Rom und bedeutender Theologe. Aber  vielleicht war seine allerwichtigste Tat sein Engagement für die Armen. In Rom hungerten zu seiner Zeit viele Menschen, weil der Kaiser eine ausreichende Getreideversorgung für die einige zehntausend umfassende Einwohnerzahl Roms nicht hinbekam. Da sprang der Papst als Hirte der Menschen in Rom ein, kümmerte sich um eine ordentliche Bewirtschaftung der umfangreichen Ländereien, die die Kirche in Süditalien und auf Sizilien besaß, und ließ das dort geerntete Getreide und die Früchte nach Rom bringen. Am Anfang jedes Monats wurde dann Getreide und Obst und Gemüse an Bedürftige in Rom verteilt – sozusagen so etwas wie die erste Tafel, die es auf europäischem Boden gab. Den anderen Bischöfen machte er immer wieder deutlich das Bild von der „helfenden Hand“: Menschen, die hungern, würden erst dann empfänglich für die Botschaft des Evangeliums und eine gute Predigt, wenn zuvor ihr Humor gestillt und ihre materielle Not gelindert würde. Bertold Brecht konnte das dann später auf seine Weise in dem berühmten Satz seine Dreigroschenoper zusammenfassen: Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. 
Interessant ist ja, dass die Evangelien auch nicht nur von  Predigten und Reden Jesu erzählen, sondern ebenso von seinen Taten. Neben vielen Heilungen wird gleich zweimal ein sehr ähnliches Wunder erzählt: wie Jesus einmal fünftausend Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen satt macht und einmal viertausend Menschen mit sieben Broten und einigen Fischen. Bibelwissenschaftler vermuten, dass dieselbe Begebenheit später aus der Erinnerung unterschiedlich weitererzählt wurde und so zwei Geschichten daraus entstanden. Aber warum haben die Evangelien sich dann nicht auf nur eine beschränkt, wo Papier doch kostbar war und sie sowieso vor der Aufgabe standen auszuwählen, was sie von Jesus zu Papier bringen und was sie weglassen? Könnte es nicht vielmehr sein, dass diese zwei Geschichten  deutlich machen sollen: Jesus war es wichtig! Jesus war es wichtig nicht nur die Armen selig zu preisen und ihnen Plätze im Himmelreich zu versprechen, sondern sich auch hier auf Erden um ihre Not zu kümmern und Hunger zu stillen. Jesus kennt nicht nur den Hunger der Seele, auf die er mit seinen Predigten und Worten reagiert. Er kennt auch den Hunger des Körpers und ist gekommen auch da Abhilfe zu schaffen. Körper und Seele, beides hat uns der liebe Gott gegeben, beides gehört zusammen, und den Bedürfnissen beider wendet sich Jesus zu.
Als wir als Kirchengemeinde in der Coronazeit anfingen mit der Seebrise e.V. Lebensmittelkörbe an Bedürftige an der Haustür zu verteilen – weil die Tafel vorübergehend schließen musste –, konnte ich Menschen kennenlernen, die ich als Pastor zuvor noch gar nicht wahrgenommen hatte. Und es gab Gespräche, die mich manches Mal beschämten und zugleich doch ganz schön reich erfüllten. Es wurde natürlich auch im Ort diskutiert, ob die Art der Hilfe richtig sei und die Richtigen erreiche. Wer macht, macht sicher auch Fehler und wird kritisiert, aber nichts tun kann ja auch nicht die Alternative sein. Auf jeden Fall ist es ureigene Aufgabe von Kirche, auch in einem Sozialstaat: Nöte zu spüren, Lücken im Sozialstaat wahrzunehmen, Ideen zu entwickeln, auch selber einzuspringen, wo wir das können. – Wir gehen spürbar Zeiten entgegen, wo Not und Armut weiter wachsen. Hoffentlich wachsen dann auch wir als Kirche mit diesen Herausforderungen – und eben mit Gottes Hilfe! Bleibt behütet!
Foto: Lebensmittelverteilung in der Corona-Zeit

LOSUNG
DES TAGES

Losung für heute:

Ich will meinen Bund mit dir aufrichten, sodass du erfahren sollst, dass ich der HERR bin.
Hesekiel 16,62

So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.
Römer 9,16

© Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine

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