Bannerbild | zur Startseite Bannerbild | zur Startseite
Link zur Seite versenden   Druckansicht öffnen
 

10. Tag der Passionszeit, 23. Februar 2024

Foto: privat (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: Foto: privat

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ Das ist die Tageslosung für heute. Worte aus dem 22. Psalm. Worte, die , so berichten die Evangelisten Markus und Matthäus, auch Jesus am Kreuz gesprochen hat. Dort sind sie als seine letzten Worte vor seinem Tod überliefert. - Wie kann das sein – wie kann Jesus so etwas sagen und fühlen? Er, der Sohn Gottes, eins mit dem Vater, so dicht mit Gott verbunden, ja selber Gott in Person! Wie kann er denn von Gott verlassen sein? Und doch wird an dieser Stelle das Wunder von Weihnachten, dass Gott Mensch wird wie wir, noch einmal eingelöst. So wie wir Menschen uns von Gott verlassen fühlen können, und das kann das schlimmste aller Gefühle sein, die uns im Leben bedrängen können - so erlebt es auch Jesus. Auch hierin ist er uns gleich. Auch er muss sterben. Und er stirbt einen der schmerzvollsten, schmachvollsten Tode, die vorstellbar sind, wie ein Verbrecher hingerichtet am Kreuz. Und auch vor ihm macht der Gedanke nicht Halt – wie sollte er: Wo bist du, Gott? So viel muss ich mitmachen! Du weißt doch, wie es wirklich ist! Wie unverdient dieser Tod hier ist! Wie kannst du das zulassen! Warum kümmerst du dich nicht um mich? Auch im Zweifel, in der Verzweiflung, im Verzweifeln an Gott just in dem Moment, wo Vertrauen und Gewissheit auf Gottes Nähe so wichtig gewesen wäre: ist Jesus uns Bruder geworden! Und zeigt uns damit eines: Kein Ort der Gottverlassenheit ist ihm fremd. Er ist dort zu Hause: in den zerbombten Stadtvierteln in der Ukraine. In der Hölle im Gazastreifen, wo Menschen nicht mehr wissen, wo sie noch hinfliehen sollen. In den Folterkammern von Gefängnissen. In Wohnstuben, in denen Familien weinen und um Fassung ringen, weil ihre liebsten Herzensmenschen bestialisch ermordet wurden. Nichts ist Jesus fremd.

Aber er ist da, denn seit seinem Sterben am Kreuz soll jedes Menschenkind wissen: es gibt keinen Ort der Gottverlassenheit mehr. Einmal hat Jesus dieses Gefühl der Gottesferne mit uns geteilt, um von nun an selber höchstpersönlich überall zugegen zu sein, wo Menschen unsagbares Leid widerfährt: Was ihr getan habt einem der geringsten meiner Brüder und Schwestern, das habt ihr mir getan! - Er ist der Mitleidende, der bei uns aushält, wenn es nicht zum Aushalten ist. Dafür steht das Kreuz.

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Wenn man den 22. Psalm in der Bibel weiter liest, entdeckt man einen gewaltigen Stimmungsumschwung in diesem Psalm: Auf einmal heißt es: Aber du, Herr, sei nicht ferne! Und später: Dich will ich preisen in der großen Gemeinde! Da ist etwas geschehen, mit einem Mal, dass der Beter des Psalmes spürt: Gott hat mich nicht verlassen, er ist da und hilft mir! Seit Ostern dürfen auch wir Christinnen und Christen wissen: die Gottverlassenheit, die Jesus durchlitt, war der Weg zum Wunder von Ostern. Auf der Welt ist vieles zum Verzweifeln – aber Gott lässt den nicht ohne Hilfe, der so hilflos ist.

Bleibt behütet!

LOSUNG
DES TAGES

Losung für heute:

Ich will meinen Bund mit dir aufrichten, sodass du erfahren sollst, dass ich der HERR bin.
Hesekiel 16,62

So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.
Römer 9,16

© Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine

Weitere Informationen finden Sie hier