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18. Tag der Passionszeit, 2. März 2024

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Sie waren anders, kamen aus einem anderen Land, hatten eine dunklere Hautfarbe. Ja, und sie rochen etwas, das fiel uns anderen Kindern auch auf, wenn wir ihnen mal etwas näher kamen, meist hielten wir ja eher Abstand. Keine Ahnung, ob sie in der Siedlung, in der sie wohnten - ich meine, sie hieß Vorderberg -  nicht so die hygienischen Möglichkeiten haben zu baden, zu duschen und Wäsche zu waschen, oder ob sie es einfach anders gewohnt waren oder eben einfach anders rochen als wir – es fiel eben damals auf.    Sie blieben mehr für sich, gehörten zur Klasse dazu, aber auf Geburtstage eingeladen wurden sie von den anderen Kindern nicht. Zumindest bekam ich es nicht mit. Und ich tat es auch nicht. Ich hatte selber nicht so viele Freunde in der Klasse, zwei, drei vielleicht, aber das genügte mir damals eigentlich auch. An ein Mädchen kann ich mich noch erinnern, ein Mädchen, das auch zu dieser Gruppe gehörte aus dem anderen Land, sie hatte so strahlende Augen, ein tolles Lachen und einen wunderbaren Akzent. Und ich denke, ich hätte mich in sie damals verlieben können, vielleicht war ich es auch irgendwo gewesen, aber wollte mir das damals nicht eingestehen: denn mit Mädchen war man ja nicht befreundet (das galt für mich in der Grundschule wie ein Gesetz), und mit den Kindern vom „Vorderberg“ (so muss die Wohnsiedlung geheißen haben, wo sie alle wohnten) schon mal gar nicht...Und jetzt muss ich an sie denken, auf einmal...Kinder können schon ganz schön hart sein, aber damals hatte ich noch nicht so darüber nachgedacht...
War das der Grund, dass es mich später dann auf der weiterführenden Schule und noch später im Studium manchmal gerade zu denen hinzog, um die andere einen Bogen machten? Auf dem Heimweg durch die Fußgängerzone machte ich manches Mal Halt bei den Obdachlosen, die dort saßen, steckte eine kleine Münze von meinem Taschengeld in ihre Mütze oder holte auch mal einen Kaffee oder ein Brötchen und unterhielt mich mit ihnen. Am Ende fühlte ich mich immer  beschenkt von Menschen, die so wenig hatten, aber oft so eine besondere Ausstrahlung zeigten, etwas zu erzählen hatten und mir viel lebensweiser erschienen als die anderen, die achtlos an ihnen vorbeigingen...Und irgendwann, als ich das erste Mal diese Jesusworte hörte oder las: „Was ihr getan habt einem dieser geringsten meiner Brüder, das habt ihr mir getan“ – hatte ich immer das Gefühl, ich würde bei Jesus sitzen, wenn ich mich dazu gesellte in der Fußgängerzone – oder ich würde an Jesus einfach vorbeilatschen, wenn ich eilig weiter ginge...
Heute habe ich noch immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich an jemandem, der da sitzt und bettelt, vorbeigehe. Ist es das Gefühl beschäftigt zu sein und keine Zeit zu haben – gibt es in dem Moment eigentlich etwas Wichtigeres als sich Zeit zu nehmen? – oder die Ahnung, nicht wirklich etwas groß bewegen und helfen zu können – ist ein Kaffee kein Anfang? -
Die Bibel erzählt nicht von einem, der roch oder der bettelte, sondern der nicht vorgelassen wurde und wegen seines Berufs und seines Geldes ausgegrenzt war: Zachäus, der Steuereinnehmer und Zöllner. Reich war er, aber klein von Statur, weshalb er gehänselt wurde, und ein „Halsabschneider“, so wurde gesagt, aber vielleicht war das auch nur der Neid der anderen. Als Jesus kam, traute er sich ihm gar nicht unter die Augen. Aber sehen wollte er ihn schon, und weil er klein war, kletterte er auf einen Baum. Und dann kommt Jesus genau an der Stelle auf dem Weg vorbei, schaut im entscheidenden Moment hoch, Zachäus direkt ins Angesicht, und sagt: Heute will ich bei dir zu Abend essen! – Ausgerechnet bei dem – da geht doch niemand hin! Denken die anderen und murren unwillig. Aber Jesus stört das nicht. Und Zachäus ist so aus dem Häuschen über diesen Gast und dessen Aufmerksamkeit – und dass er gar nichts zu hören bekommt von Jesus über sein Leben und was er falsch gemacht hat: er ist so aus dem Häuschen, dass er von sich aus Jesus sagt: Ab jetzt ändere ich mein Leben, erstatte zu Unrecht Erworbenes vierfach zurück und gebe die Hälfte von dem, was ich habe, an die Armen. Zachäus- ein Außenseiter damals in der Gesellschaft, aber einer der wenigen Menschen in der Bibel, die Jesus einmal begegnet sind, von dem wir sogar noch seinen Namen wissen.
Ausgegrenzt sein kann man aus vielerlei Hinsicht – weil man strenger riecht, weil man auf der Straße lebt, weil man klein ist oder fremd oder weil man einiges auf dem Kerbholz hat– oder aber: weil  andere einen einfach nicht riechen können und sich auch gar nicht Mühe geben wollen. Es ist Zeit, nicht die anderen uns genehm zu machen, sondern etwas an unserer Nase zu ändern! Bleibt behütet!
Morgen ist Gottesdienst um 9.30 Uhr im Eckhof Galmsbüll und um 11.00 Uhr im Pastorat Horsbüll. Herzliche Einladung!
Foto: Vom gestrigen Weltgebetstag im Landjugendheim Neugalmsbüll. Danke an Euch Frauen, die ihr alles so schön vorbereitet und so bewegend gestaltet habt. Viel Betroffenheit war zu spüren und Trauer, Sehnsucht, Wünsche, die uns mit den Frauen im Westjordanland, dem Gazastreifen und auch in Israel verbinden!

LOSUNG
DES TAGES

Losung für heute:

Ich will meinen Bund mit dir aufrichten, sodass du erfahren sollst, dass ich der HERR bin.
Hesekiel 16,62

So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.
Römer 9,16

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